Deutschland hat nicht überall zu wenige Arbeitskräfte. In bestimmten Berufen bleibt der Fachkräftemangel jedoch gravierend. Die aktuelle Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt für 2025 insgesamt 157 Berufe mit Fachkräfteengpässen.
Damit ist die Zahl zwar erneut gesunken – von 183 Engpassberufen im Jahr 2023 über 163 im Jahr 2024 auf nun 157. Doch insbesondere in Pflege, Gesundheit, Handwerk und sozialen Berufen bleibt die Situation angespannt.
Fachkräftemangel 2025/2026 in Zahlen
Pflege und Gesundheit bleiben besonders betroffen
Zu den Berufen mit den stärksten Engpässen zählen weiterhin Pflege- und Gesundheitsberufe.
Der demografische Wandel wirkt hier gleich doppelt: Eine älter werdende Bevölkerung benötigt mehr medizinische und pflegerische Leistungen, während gleichzeitig viele Beschäftigte selbst das Rentenalter erreichen.
Die Bundesagentur für Arbeit zeigt außerdem, wie wichtig Zuwanderung in diesem Bereich inzwischen geworden ist. Allein zwischen Juni 2024 und Juni 2025 sank die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit in der Pflege um rund 5.000. Gleichzeitig kamen etwa 46.000 ausländische Beschäftigte hinzu.
Pflege
Pflegefachkräfte und verwandte Gesundheitsberufe gehören weiterhin zu den besonders schwer zu besetzenden Tätigkeiten.
Erziehung
Auch Erzieherinnen und Erzieher werden laut aktueller BA-Analyse weiterhin stark gesucht.
Handwerk
Ein großer Teil der Engpassberufe entfällt auf Bau-, Ausbau- und klassische Handwerksberufe.
Verkehr
Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer gehören weiterhin zu den Berufen mit Besetzungsproblemen.
Handwerk: Stellen bleiben teilweise monatelang offen
Besonders sichtbar wird der Fachkräftemangel im Handwerk.
Nach einer aktuellen Auswertung der Bundesagentur für Arbeit waren 2025 im Durchschnitt rund 123.000 offene Stellen in Handwerksberufen gemeldet. Das waren zwar sechs Prozent weniger als ein Jahr zuvor, doch die Besetzung dauert weiterhin außergewöhnlich lange.
Eine offene Stelle im Handwerk war durchschnittlich 242 Tage vakant. Über alle Berufe hinweg lag der Vergleichswert bei lediglich 167 Tagen.
242 Tage bis zur Stellenbesetzung
Weniger Stellenausschreibungen bedeuten also nicht automatisch, dass der Fachkräftemangel verschwunden ist. In vielen Handwerksberufen bleibt es für Arbeitgeber außerordentlich schwierig, geeignete Bewerber zu finden.
Besonders betroffen sind laut BA Bau- und Ausbauberufe sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Teile der Elektro- und Mechatronikberufe.
Auch soziale Berufe bleiben knapp
Neben Pflege und Erziehung zeigen sich inzwischen auch wieder Engpässe in Sozialarbeit und Sozialpädagogik.
Diese Berufe wurden in der aktuellen Engpassanalyse neu beziehungsweise erneut als Engpassberufe eingestuft.
Hinzu kommen weitere Tätigkeiten, die öffentlich häufig weniger stark mit dem Begriff Fachkräftemangel verbunden werden – beispielsweise Köchinnen und Köche sowie Berufskraftfahrer.
Überraschend: Softwareentwicklung ist kein Engpassberuf mehr
Die aktuelle Analyse zeigt aber auch, dass sich der Arbeitsmarkt verändert.
Softwareentwicklung wurde 2025 von der Bundesagentur für Arbeit nicht mehr als Engpassberuf eingestuft. Gleiches gilt unter anderem für den IT-Vertrieb und die spanende Metallbearbeitung.
Das bedeutet nicht, dass Unternehmen keine Softwareentwickler mehr einstellen oder langfristig kein Bedarf an IT-Fachkräften besteht. Die BA-Daten zeigen vielmehr, dass Angebot und Nachfrage derzeit weniger stark auseinanderliegen als in den vergangenen Jahren.
2025 sank der jahresdurchschnittliche Bestand gemeldeter Stellen für IKT-Kräfte nach BA-Angaben auf rund 13.000 – 22% weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Wert seit 2015.
Fachkräftemangel ist kein Synonym für viele offene Stellen
Die BA bewertet mehrere Indikatoren gleichzeitig, darunter Vakanzzeit, Arbeitslosenquote, Entwicklung ausländischer Beschäftigung, Abgänge aus Arbeitslosigkeit und Entgeltentwicklung. Erst daraus ergibt sich die Einstufung als Engpassberuf.
Zuwanderung wird für den Arbeitsmarkt immer wichtiger
Ein zentraler Faktor ist der demografische Wandel.
Immer mehr Beschäftigte erreichen das Rentenalter, während kleinere jüngere Jahrgänge nachrücken. In vielen Berufen wird dieser Rückgang bereits heute durch internationale Beschäftigte abgefedert.
Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen hat sich nach Angaben der Bundesagentur seit 2014 von rund 7 auf 14% verdoppelt.
Damit wird internationale Rekrutierung zunehmend zu einem strukturellen Bestandteil des deutschen Arbeitsmarkts – und nicht nur zu einer kurzfristigen Reaktion auf Personalengpässe.
Welche Berufe bieten derzeit besonders gute Chancen?
Für Jobsuchende lohnt es sich, nicht nur auf einzelne Berufsbezeichnungen zu schauen, sondern auf Branchen, in denen der strukturelle Bedarf hoch bleibt.
- Pflege und Gesundheit: Pflegefachkräfte und zahlreiche medizinische Berufe bleiben langfristig gefragt.
- Erziehung und soziale Arbeit: Erzieher sowie Fachkräfte in Sozialarbeit und Sozialpädagogik werden gesucht.
- Handwerk: Vor allem Bau, Ausbau, Sanitär, Heizung, Klima und verschiedene technische Gewerke zeigen Besetzungsprobleme.
- Verkehr und Logistik: Berufskraftfahrer gehören weiterhin zu den Engpassberufen.
- Gastronomie: Auch qualifizierte Köchinnen und Köche werden vielerorts knapp.
Gute Jobchancen bedeuten nicht automatisch Fachkräftemangel
Ein Beruf kann viele offene Stellen bieten, ohne offiziell als Engpassberuf zu gelten. Umgekehrt können spezialisierte Berufe mit relativ wenigen Stellen trotzdem große Besetzungsprobleme haben.
Wie entwickelt sich der Fachkräftemangel weiter?
Kurzfristig sorgt die schwache Konjunktur dafür, dass Unternehmen weniger Stellen ausschreiben. Das erklärt teilweise, warum die Zahl der Engpassberufe von 183 auf 157 zurückgegangen ist.
Langfristig verschwindet das Problem dadurch aber nicht.
Die Bundesagentur erwartet, dass der demografische Wandel das Arbeitskräfteangebot weiter verändert. Besonders in Berufen, in denen große Beschäftigtengruppen in den kommenden Jahren in Rente gehen, dürfte der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter wieder zunehmen.
Gleichzeitig verändern Digitalisierung und künstliche Intelligenz den Bedarf. Während bestimmte Routinetätigkeiten automatisiert werden können, bleiben Berufe mit persönlicher Betreuung, körperlicher Arbeit, Verantwortung vor Ort oder komplexen praktischen Fähigkeiten schwer zu ersetzen.
Fazit
Von einem pauschalen Arbeitskräftemangel in Deutschland kann nicht gesprochen werden. Die Bundesagentur für Arbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass in zahlreichen Berufen weiterhin mehr Arbeitskräfte verfügbar sind als Stellen nachgefragt werden.
Gleichzeitig bestehen jedoch 157 klar identifizierte Engpassberufe. Besonders Pflege, Gesundheit, Handwerk, Erziehung, soziale Arbeit, Verkehr und einzelne Gastronomieberufe bleiben betroffen.
Für Jobsuchende ergeben sich daraus weiterhin sehr gute Chancen – insbesondere dort, wo Qualifikationen knapp sind und Unternehmen Stellen über lange Zeit nicht besetzen können.
Quellen & Datengrundlage
- Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025, veröffentlicht 2026.
- Bundesagentur für Arbeit, 2. September 2026: Fachkräfte bleiben knapp – Zuwanderung gewinnt weiter an Bedeutung.
- Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt kompakt – Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk, September 2026.
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Berichte zum Arbeitsmarkt für akademische und IKT-Berufe 2025.